Abriss des falschen Hauses

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Skurrile Fälle schreibt das Leben. In einem Fall vor dem OLG Brandenburg stritten sich die Parteien sich um Schadensersatzansprüche, die daraus resultierten, dass die Beklagte (ein Teifbauunternehmen) versehentlich das falsche Wochenendhaus abgerissen hatte.

Bemerkenswert ist i.ü. die Argumentation mit der man sich gegen die Ansprüche werte: Das Haus sei bereits alt und marode gewesen. Daher sei kein Schaden entstanden, vielmehr hätten die Eigentümer doch einen finanziellen Vorteil erhalten, weil sie das Haus jetzt nicht selbst abreißen  müssten… Das OLG findet hierzu erwartungsgemäß auch klare Worte:

“Der klägerische Schadensersatzanspruch findet seine gesetzliche Grundlage in § 831 Abs. 1 Satz 1 und in § 823 Abs. 1 BGB. Die Verrichtungsgehilfen der Beklagten hätten sich – unter Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt – vor dem Beginn der Abrissarbeiten darüber vergewissern können und müssen, dass diese tatsächlich auf dem Anwesen durchgeführt werden, für das ihrem Arbeitgeber ein entsprechender Auftrag vorlag. Der Beklagten selbst fällt zur Last, keine geeigneten organisatorischen Vorkehrungen getroffen zu haben, durch die sichergestellt wird, dass ihr erteilte Abrissaufträge durch ihre Beschäftigten auch dann auf der richtigen Liegenschaft ausgeführt werden, wenn sich in der Nähe andere Grundstücke befinden, die entweder nicht oder nur unzureichend durch ein Namens- beziehungsweise Hausnummernschild gekennzeichnet sind. Mit dem Einwand, sie habe den Klägern – bei wirtschaftlicher Betrachtung – durch den eigenmächtigen Abriss im Ergebnis eine Wohltat erwiesen, weil die Aufbauten ohnedies marode gewesen seien und den Wert der Immobilie gemindert hätten, kann die Beklagte bereits deshalb nicht durchdringen, weil es nicht ihr, sondern allein den Klägern als Eigentümern obliegt, darüber zu entscheiden, ob sich die ihnen gehörende Immobilie in einem bebauten oder einem unbebauten Zustand befinden soll.”

Wer ein Gebäude abreißt, sollte sich vergewissern, dass es das Richtige ist.

OLG Brandenburg vom 26.05.2010, 3 U 94/09

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