Die Geister die ich rief

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Nein, dieser Artikel behandelt weder Geister- noch Horrorgeschichten, sondern einen “Ghostwriter“-Vertrag. Über einen solchen hatte das OLG Naunburg zu entscheiden. Der Fall lag folgendermaßen:

Die Parteien schlossen einen Vertrag über die Erstellung einer „Biographie T. M.”. Bevor der Geist sein Werk vollendet hatte, wurde der Vertrag jedoch gekündigt. (§ 649 S. 1 BGB) Da auch Geister anscheinend Geld zum Leben benötigen, verlangte der unsichtbare Schreiber ein Honorar für bereits erbrachte Teilleistungen, über die man sich leider nicht einigen konnte. So traf man sich in deutlich sichtbarem Zustand vor Gericht.

Das OLG stufte den “Ghostwritervertrag” als Werkvertrag im Sinne des § 631 BGB ein, stellt aber geichzeitig fest, dass die im Werkvertragsrecht geltenden Teilvergütungsansprüche nicht so recht passen. Die Erstellung eines solchen Manuskripts stelle im Kern eine geistige Tätigkeit dar, die sich daher nicht einfach in einen erbrachten und nicht erbrachten Teil unterscheiden lasse. Dieses Problem könne nur durch eine ergänzende Vertragsauslegung (¶¶ 133, 157 BGB) gelöst werden.

Daraufhin sprach das OLG dem Ghostwriter 10.000 € zu. Die Parteien hatten nämlich vertraglich geregelt, dass bei Vertragsabschluss genau diese Summe zu zahlen sei und bei Abschluss der Biographie nochmals ein Betrag von 10.000 €. Hierin liege eine die Lösung rechtfertigende Risikoverteilung.

OLG Naunburg vom 08.05.2008, 2 U 9/08

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